Sonntag, 24. Mai 2009

Volkstümlichkeit statt akademischer Klugheit

Nun ist es also amtlich - nochmal 5 Jahre Köhler. Genau 613 von benötigten 613 Stimmen konnte er erreichen - nicht eine mehr als nötig. Eine Überraschung war es nicht. Auch keine Sensation. Selbst die Dankesrede viel erstaunlich bescheiden aus. Ob er überhaupt weiß, in welche Verantwortung er damit gerät? Die Zeit zwischen seiner letzten Wahl und dieser sind nicht einfach nur 5 Jahre. Es ist eine politische Epoche mit wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Zeitwende. Und das war erst der Anfang, denn die Krise (die meiner Meinung nach noch gar nicht richtig angefangen hat) wird unser Land weiter verändern.

Horst Köhler mag man auch für das, was er nicht kann. Und er KANN es nicht, was man als Bundepräsident können sollte. Politische Streitfragen intellektuell ins Schweben bringen und das Volk zu repräsentieren. Eine Demokratie anzuführen.

Warum ist Köhler wieder Präsident geworden? Sicher nicht wegen seiner Brillanz. Sondern wegen der rechnerischen Mehrheit, die ja sogar beinahe nicht mal zustande gekommen wäre. Er ist halt ein volkstümlicher Typ - und das ist, was die Menschen sehen wollen. Die kluge, umtriebene Gesine Schwan will keiner. Obwohl sie besser den Zeitgeist verkörpert als Köhler. Akademische Klugheit und Intellekt sind nicht gefragt, im Gegenteil - man erschrickt davor. An dieser Statt will man einen Präsidenten sehen, der mit seinen Schwächen kokettiert.

Das knappe Ergebnis kann man notfall noch als Trost sehen, auch wenn es niemandem wirklich etwas bringt. Gewählt ist gewählt, und die Anzahl der Stimmen wird bald in Vergessenheit geraten.

In seiner Rede zum 60. Jubiläum des Grundgesetzes nannte er selbiges einen "Leuchtturm". Die Inhalte seiner Rede entsprachen nicht mehr als einem Teelicht. Aber den Menschen ist es offenbar wichtiger, dass ihm Tränen in die Augen steigen bei der Trauerrede nach Winnenden, statt kluge Strategien und effektive Inhalte in Reden zu präsentieren.

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