Sonntag, 17. Mai 2009

Frau von der Leyen und ihre Verstrickungen

So viel Protest es auch auslöste, genausoviel Gleichgültigkeit und lediglich Irritation musste die Sperrung kinderpornografischer Seiten hinnehmen, was besonders von Frau von der Leyen unterstützt wurde. Ich denke die Frau wird wesentlich unterschätzt, da sie hinter ihrer familienfreundlichen Fassade eine Härte besitzt, die sie in ihrer Position strategisch nutzt.

Ein Wort, das oft über die Lippen von Frau v. d. L. kommt, ist "pädokriminell". Zieht man Tante Google zu Rate sieht man, wie wenig Ergebnisse uns das im Vergleich zu Pädophil (36.400) oder Pädaohilie (87,400) bringt- nämlich lediglich 9000. Eine Definition? Mitnichten. Alle Fundstellen haben direkt oder indirekt mit Frau v. d. Leyen zu tun - also nichts aussagekräftiges.

Stattdessen findet man zahlreiche Querverweise zum Kinderschutzverein "carechild", welcher durch Zwangsoutings sexuell Missbrauchter auf sich aufmerksam gemacht hatte. Hier finden sich plötzlich Begriffe wie "pädokriminell" und "pädoman" wieder. Diese Worte machen den Eindruck, dass eine Veranlagung unweigerlich zur Tat führen. Einen Mann, der andere Männer vergewaltigt, wird man auch nicht homokriminell bezeichnet. Außerdem wird so sexuelle Gewalt gegen Kinder automatisch mit Pädaophilie gleichgesetzt und ausgeblendet, dass solche Gewalt aus den verschiedensten Gründen erfolgen kann, nicht zwangsweise aus einer abnormen Veranlagung heraus. Väter, die ihre Kinder aus reinem Machtdenken missbrauchen, werden automatisch zu pädophilen gemacht.

Eine weitere Organisation, die sich solcher Begriffe bedient, ist "Innocence in Danger". Die Geschäftsführerin, die eine Sperrung kinderpornografischer Websites fordert, stand in Kontakt mit Frau v. d. L., und ist an deren Vorstoß nicht ganz unschuldig. Aber klar - die Internetzensur lenkt uns doch so schön von sonstigen wirtschaftlichen Problemen ab und sichert der Organisation eine gute Reputation.

Beide benutzen das gleiche Prinzip:Keine aussagekräftigen Quellen, übernommene Zahlen oder vollkommene Fantasiezahlen. Im Zweifelfall kann man immer noch mit der Dunkelziffer argumentieren, wenn die gewünschte Zahl noch nicht erreicht wurde.

Dann ist da noch die Sache mit der "Einstiegsdroge".
"Pornovideos auf denen Kids gequält und gefoltert werden, werden täglich 50.000 Mal runtergeladen. Sowohl von Pädokriminellen als auch von Usern, die wahllos suchen und ignorieren, dass sie sich gerade die Einstiegsdroge besorgen."

Ein zufälliger Augenzeuge von Kinderpornografie wird also danach nicht nur schlagartig davon angezogen, sondern auch süchtig danach! Dann müsste sich die Neigung explosionsartig verbeiten, was aber nicht der Fall ist. Ein wenig mehr Recherche hätte ich der studierten Ärztin zugetraut ...

Wenn also eine Paraphilie so entstehen würde, könnte man sie doch auch genauso heilen?

Frau v. d. L. erinnert teilweise an religiöse Fundamentalisten. Auf dem Christival2008 hielt sie einen sehr fragwürdigen Vortrag in Bezug auf Abtreibungsmöglichkeiten vergewaltigter Frauen. Sie bejahte ein Projekt, in dem "Therapie der Homosexualität" beworben wird und lässt ihre Zustimmung zu den Thesen vermuten. Dass diese Dame die Sorgen von Schwulen nicht wirklich versteht ist kein Geheimnis. Immerhin besteht bei Schwulen immer noch sehr viel Diskrimimierung und ein eindeutig höheres Selbstmordrisiko. Eine geforderte Bestandsaufnahme zur Lebenssituation schwuler und lesbischer Jugendliche wurde jedoch von rot-schwarz abgelehnt. "Eine solche Notwendigkeit wird nicht gesehen", so Frau von der Leyen.

Zudem finde ich es eine Frechheit, seine Funktion im Amt für die Propagierung eigener religiöser Werte zu missbrauchen. Und das in einem Land, in dem von der Trennung von Staat und Kirche die Rede ist. So wurden bei ihrem "Bündnis für Erziehung" diejenigen aussen vor gelassen, die nicht einer Staatskirche angehören. Dass sie also nicht neutral agiert, ist nicht verwunderlich. Erziehungswerte sollen christlich sein. "Eltern suchen oft angemessen Antworten auf die Fragen der Kinder: Wo komme ich her? Wer bin ich? etc. Darauf kann nicht außerhalb des religiösen Kontextes geantwortet werden", so Frau v. d. L. Ob sie sich darüber bewusst ist, dass sie damit jegliche Fragen nach Philisophie oder Atheismus beiseite schiebt ...

Nun ist der fanatisch geführte Kampf für die Internetzensur ideal für sie, sich zu profilieren. Die Frage ist, ob das für sie nur die "Einstiegsdroge" ist, um sich (ganz im Sinne der christlichen Werte natürlich ...) auf Pornografie oder Nacktheit im Allgemeinen zu konzentrieren. Außerdem habe ich die Befürchtung, dass durch diese Bundesfamilienministerin die Trennung von Staat und Kirche noch erheblich leiden wird und ein Rückschritt zu antiquierten Ansichten stattfindet.

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