Dienstag, 3. Februar 2009

Religion und Wissenschaft

Immer heißt es überall Wissenschaft und Religion seien Gegensätze. Wissenschaftler lehnen angeblich die These von einem allmächtigen Gott ab, weil sie ihn nicht brauchen. Umgekehrt unterdrückte die Kirche wissenschaftliche Erkenntnisse, weil sie den Glauben an Gott erschüttern könnten. Kopernikus entthronte die Erde, und der Atheist Darwin den Menschen als Mittelpunkt des Kosmos. Oder?

Nein! Fast alle Wissenschaftler waren gläubige Menschen. Einzig Galilei kümmerte sich nicht um Gott. Die Kirche hat auch nur selten neue Erkenntnisse unterdrückt. Im Gegenteil, unser wissenschaftliches Weltbild ist erstaunlicherweise vom Glauben geprägt. Überspitzt ausgedrückt: Ohne diesen Glauben gäbe es keine Wissenschaft. Erst die morderne Physik erschuf mit ihren Relativitätstheorien eine Art Katechimus. Manche sagen, die Physik sei die katholische Kirche der Wissenschaft - mit Hohen Priestern (Teilchenphysiker, Relativitätstheoretiker, Anhänger der String-Theorien), mit Päpsten (die Herausgeber rennomierter Wissenschaftsblätter), mit Häretikern (die in ihrer Wissenschaftlichen Meinung abweichen) und mit Kathedralen (Teilenbeschleuniger).

Thomas von Aquin harmonisierte die Wissenschaft von Aristoteles mit dem Christentum. Der Theologe Robert Grossteste erklärte Gott habe alle Maße festgelegt und formulierte Gedanken, die der Urknallhypothese frappierend gleichen. Für Roger Bacon war Naturwissenschaft die "Magd der Theologie". Genauso dachten Keppler und Newton. Nikolaus von Kues fand Gottes Plan in der Mathematik. Kopernikus fand das ptolemäische Weltbild eines Gottes unwürdig und die Astronomie war für ihn ein Weg zu Gott. Auch René Descartes meinte, die Naturgesetze seien von Gott eingerichtet. Nur Galilei war nicht sonderlich gläubig, wollte sich aber auch nie mit der Kirche anlegen.

Charles Darwin war tiefgläubig und verteidigte die Bibel. Er lehnte nur das Bild eines strafenden Gottes ab. An einen Fortschritt der menschlichen Entwicklung glaubte Darwin ebenso, wie an einen Gott, der alles geschaffen hat und dann sich selbst überließ. So war auch das theologisch schwer begründbare Leiden erklärbar. Denn wenn Kampf und Wettbewerb die Grundlage evolutionärer Veränderungen sind, dann sind Schmerz und Leiden der Preis für die Entstehung höherer Lebewesen.

Albert Einstein machte Gott in der Physik wieder salonfähig. Er redete ohne Scheu über ihn und sah nie Gegensätze zwischen Religion und Physik. "Naturwissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Naturwissenschaft ist blind." Für ihn war ein religiöses Gefühl das nobelste Motiv der Forschung.

Wissenschaft und Religion können Hand in Hand gehen, ungeachtet der meist inkompetenten Kritik religiöser Fanatiker.

1 Kommentar:

  1. Gut geschrieben. Kann man vor allem sehr gut nachvollziehen, wenn man sich bekannte Physiker anschaut und welche teils hoch interessanten, philosophische Ansätze sie liefern. Kann Dir folgendes empfehlen: http://de.youtube.com/results?search_query=wie%20das%20licht%20in%20die%20welt%20kam&search_type=&aq=f&oq=

    Lief mal Anfang des Jahres: "Wie das Licht in die Welt kam" - Zweistündige Sendung mit dem genialen Prof. Lesch und Gästen :-)

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