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WHITE NOISE

Making noise since 2008

Und wieder mal eine längere Blogpause. Diesmal zum einen familiär bedingt (mein Mann hatte einen schweren Arbeitsunfall und liegt seit Wochen im Krankenhaus) und zum anderen beruflich bedingt.

Als ich da so drüber nachdachte neulich fiel mir auf, dass ich ja hier noch nie davon berichtet habe, was ich eigentlich mache, und da kam mir die Idee das nachzuholen. Bei vielen ist der Job ja irrelevant und halt selten etwas mit der Persönlichkeit des Menschen zu tun - das ist bei mir ein wenig anders.

Vorab - ich komme eigentlich aus einer ganz anderen Ecke. Ursprünglich tendierend zum Journalismus, bin ich zu Beginn beim Werbetexten, SEO und Affiliate Marketing gelandet. Das habe ich auch viele Jahre erfolgreich gemacht, bis ich immer mehr gemerkt habe dass die Luft einfach raus ist und die Ergebnisse im Vergleich zum Aufwand einfach zu wünschen übrig lassen. Ich wollte nicht mehr Stunden, Tage, Wochen ergebnislos vor irgendwelchen Analysetools verbringen, Texte so lange überarbeiten bis Google sie zwar mit Handkuss frisst aber sie einfach nichts mehr von meiner persönlichen Schreibart wiederspiegeln, Texte schreiben für Unternehmen und Seiten hinter denen ich teilweise gar nicht stehen kann, Produkte bewerben und für gut verkaufen, die ich nie in den Händen gehalten habe etc.etc. Es hat sich einfach nicht mehr richtig angefühlt, deshalb habe ich begonnen mich neu zu orientieren und beschlossen, meine Kräfte sinnvoller und effektiver einzusetzen. (Oh ja, manchmal kling ich noch immer wie eine Werbung ;))

Kurzum: es kam eine 180 Grad Wende und ich absolvierte eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin. Hier wurde mir aber relativ schnell klar, dass das Interesse für das Themengebiet rein persönlicher Natur war und das Berufsfeld mir eher weniger lag - daher hat es nicht lange gedauert, bis ich auch diesem Beruf den Rücken gekehrt habe.

Aus Alternativlosigkeit und weil ich gerade in die Großstadt gezogen war und entsprechende Kontakte geknüpft hatte, landete ich also wieder vor dem Bildschirm. Diesmal ein wenig erfolreicher, da ich nun Teil einer großen Modelagentur war und dort als Social Media Managerin, Texte Spinnerin, Webseiten Betreuerin, Texterin und Mädchen für alle fungierte.

Nicht viel später wurde mir bewusst, dass ich einen Denkfehler gemacht hatte. Hier konnte ich meine Kräfte zwar "effektiver" umsetzen ( = monetarisieren), aber glücklich war ich mit dem Beruf noch immer nicht. Es war immer noch eher Verpflichtung, ich fühlte mich trotz meiner Erfahrung überall als Outkast, war einfach nicht für die Arbeit im Team geschaffen und musste mich jeden Tag zwingen, zur Arbeit zu gehen, obwohl ich dort sehr viel Lob und Bewunderung erhalten habe, sowohl für meine Arbeit als auch für mich als Person.

Auf einem lange geplanten und endlich umgesetzten Selbstfindungstrip in Ungarn kam dann der entscheidene Moment zum Umdenken. Wie soll der Rest meines Lebens aussehen? Soll ich weiter "Karriere" machen und dabei nebenbei Raubbau an meiner Psyche betreiben? Was soll ich mit dem Geld wenn ich nicht glücklich damit bin? Was bringt mir die Shopping Tour am Wochenende wenn ich schon Sonntag Mittag keinen Hunger mehr habe weil ich mit dem Kopf schon dran denke dass ich morgen wieder "dort hin muss"? Will ich das echt für den Rest meines Lebens?

Natürlich nicht. Wer will das schon. Und ich wollte nicht zu denen gehören, die ihr Leben lang meckern und jammern und sich über alles beschweren, aber nicht den Mut haben wirklich auszubrechen aus dem Kreislauf.

So bin ich letztendlich beim Dreaden gelandet - und damit auch wieder von der Großstadt in unser kleines/großes Paradies hier. Eine enge/tiefe Beziehung zu Dreadlocks und deren Trägern jenseits der üblichen Vorurteile hatte ich schon vorher. Hier ins Detail zu gehen würde den Rahmen sprengen, aber die Entscheidung es als selbständige Dreadlock Stylistin zu versuchen war schnell gefällt, und zum ersten mal in meinem Leben fühlte sich etwas völlig richtig an. Ein Beruf, zu dem ich bis ins kleinste Detail stehen kann, der mir Freude macht, weil ich weiß dass ein tieferer Sinn dahinter steckt, nicht nur Geld verdienen und Kühlschrank füllen.

Ich erfülle jetzt Wünsche, ich mache andere glücklich, statt zu mehr Profit verhelfen ich anderen nun zu sich selbst zu finden, mit mehr Selbstbewusstsein und gestärkt durchs Leben zu gehen, sich selbst zu verwirklichen, anders zu sein, auszubrechen aus den gesellschaftlichen Vorgaben, wie etwas angeblich zu sein hat. Klar, auch ich muss mich noch manchmal in den Allerwertesten treten - aber das erfüllt mich selbst an solchen Tagen mit Zufriedenheit, wenn ich mal überhaupt keine Lust hab. Abgesehen davon ist es einfach sehr entspannt von zu Hause aus arbeiten zu können ohne dabei die ganze Zeit vor dem Bildschirm zu verbringen (ich konzentriere mich hauptsächlich auf Dreadlock Extensions / Dread Verlängerungen aus Echthaar und Wolle) und sich alles selbst einteilen zu können.

Ich bekomme ganz oft Tage oder Wochen später Nachrichten und Fotos von Kunden, die mir begeistert schreiben wie glücklich sie mit ihren neuen Haaren sind und dass sie mir danken, dass ich so viel Liebe in den Auftrag gesteckt habe und dass sie mich gerne weiterempfehlen werden. Bei manchen Nachrichten bekomme ich feuchte Augen, weil sie so persönlich und rührend sind und weil ich mir vorher nicht hätte träumen lassen, dass ICH mal die Verursacherin von so viel Freude sein könnte.

So, und jetzt genug rumgeschmalzt ;) Wer sich näher für das Thema interessiert oder vielleicht sogar selbst Dreads oder Dread Extensions haben möchten kann ich gerne mal auf meiner Hauptwebseite umschauen: Dreadlock Extensions by Elflocks

Wenn ihr findet, dass wir Partner werden sollten oder ihr anderweitig Bock auf Kooperationen habt schreibt mich einfach an :-)


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Diese Frage ist durchaus berechtigt, wenn man sich mal überlegt dass einem sofort geglaubt wird,  wenn man über seine Depressionen und sein Elend klagt, aber wenn man sagt dass man einfach nur glücklich ist glaubt einem keiner. Er erscheint unnatürlich. Beobachtet mal, wie glücklich die Leute sind, wenn sie über ihr Unglück reden. Sie zahlen sogar Geld dafür! Sie gehen zum Therapeuten und zahlen Geld dafür um über ihr Unglück zu reden. Und das macht sie glücklich. Aber damit nicht genug - das Unglück wird meist noch übertrieben dramatisiert, ausgeschmückt und größer gemacht, als es ist. Warum? Weil sie sich an das Bekannte und Vertraute klammern. Unglück ist alles was sie kennen, sie wollen es nicht verlieren.

Viele sind unglücklich, weil sie denken, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Dabei sind es in den allermeisten Fällen nicht die Menschen, sondern die Muster, die nicht stimmen,  die man über die Jahre übernommen und als seine eigenen akzeptiert hat, die aber eigentlich gar nicht dem eigenen Charakter entsprechen. Das verwechseln viele.

Jeder kann sich entscheiden, glücklich zu sein oder unglücklich. Die Wahl ist riskant, da man dann selbst verantwortlich ist. Die meisten entscheiden sich dafür, unglücklich zu sein. Deshalb gibt es so viele Religionen, so viele Kirchen, so viele Neo-Hippies die ihr Glück in Rausch und Meditation suchen. Wenn man glücklich ist, braucht man das alles nicht. Dann braucht man keine Kirchen, da das ganze Universum zum Tempel wird. Man braucht keine Gebete oder Meditation, da jede Handlunge meditativ und anbetungsvoll wird, die man in glücklichem Zustand tätigt, da man durch nichts abgelenkt werden kann.

Wenn man sich von irgendetwas ablenken lässt, heißt das doch bloß, dass wir uns dafür gar nicht interessieren. Wie in der Schule - nicht die Kinder sind es, sondern die Lehrer lenken die Kinder ab. Lehrer nennen die Kinder unaufmerksam, dabei wird ihre Aufmerksamkeit bloß von anderen, spannenderen Dingen beansprucht. Ein Vogel ist einfach interessanter als ein Satz des Pythagoras. Wir lassen uns dazu bringen, uns mit unzähligen unnatürlichen Dingen zu befassen. Dazu gehören auch Macht und Geld. Wann immer wir Geld sehen sind wir nicht mehr wir selbst. Wir entscheiden uns für das Äußere und bezahlen damit aus unserem Inneren. Einen Schmetterling zu beobachten bringt uns weder politisch, noch finanziell, noch sozial weiter, da es nicht profitabel ist.

Ich kann nur jedem raten, sich immer wieder für das zu entscheiden, was einen mehr glücklich macht. Vielleicht ist man dann arm - aber man beklagt sich nicht, weil es dann der Weg ist, für den man sich entschieden hat. Ich habe mich auch für Vögel und Schmetterlinge entschieden und bin trotzdem reich, weil ich glücklich damit bin. Seitdem muss ich auch nicht mehr dauernd über mein Unglück reden - das Empfinden von Natürlichkeit gegenüber Glück und Unglück hat sich ins Gegenteil  gewandelt.




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1. Toleranz

Eine gute Gelegenheit zu erkennen, was Toleranz wirklich ist, entsteht wenn man eine wirklich schwierige, mühsame Beziehung durchstehen muss. Wenn man das lange genug erträgt gehen einem irgendwann die Augen auf, und man erkennt, dass echte Toleranz mehr ist als ein bloßes Ertragen oder Dulden. Sie muss in erster Linie mal bei uns selbst anfangen, beim Hinterfragen von eigenen Selbstbildern und Illusionen, die man sich über die Jahre über sich selbst aufgebaut hat. Man sieht sich oft nur als die berechenbare, hilfreiche und edle Person, die man gerne wäre, schaut aber nur selten den eigene Unsicherheiten,  Ausflüchten und Widersprüchen ins Auge.

Außer der wachsenden Toleranz hat das Blicken in die eigenen Abgründe noch einen weiteren Vorteil. Man hört auf, sich als besser oder schlechter als andere zu empfinden. Und vor allem betrachtet man sich irgendwann nicht mehr so sehr getrennt voneinander. Denn nicht selten spricht genau das, was wir an anderen ablehnen, Bände über unser eigenes Selbst. "Lieblingsfeinde", Menschen, die unseren Schatten verkörpern, verkörpern das was wir in uns selbst verurteilen. Oft sind das Mitmenschen, die uns eigentlich gar nichts getan haben, die uns aber dennoch unverhältnismässig aufregen. Das sind nicht selten wir selbst.

Daher ist es wichtig, sich sein eigenes Inneres bewusst zu machen. Erst dann kann man auch toleranter gegenüber anderen werden. Je intoleranter jemand ist, desto mehr benötigt er den Feind von außen, auf den die eigenen destruktiven Emotionen projiziert werden. Und auch wenn es sicher Menschen gibt, die von Natur aus toleranter sind als andere, glaube ich dass jeder es doch erst lernen muss und dass sich echte Toleranz erst mit steigender Lebenserfahrung entwickelt. Denn sie verlangt unmittelbar das Loslassen von bestimmten Sehnsüchten und Träumen - darunter auch dem Wunsch, etwas "besonderes" zu sein, oder anders als andere. Man braucht die Erkenntnis, dass wir einander viel mehr ähnlich sind als unähnlich, auch wenn wir uns als etwas so Besonderes empfinden.



2. Großzügigkeit

Wenn man von diesem Ross herabgestiegen ist, dann fällt einem z.B. auch viel leichter, anderen gegenüber großzügig zu sein. Nicht nur was Dinge angeht - das kann auch einfach eine Umarmung im größten Streit sein, ein Versöhnungsangebot obwohl man im Recht ist, eine kleine Aufmerksamkeit aus dem Nichts ...

Großzügigkeit entsteht dann, wenn man fähig ist zu geben, ohne sich reduziert zu fühlen. Wenn wir uns anderen zuwenden können, ohne zu klammern, oder Zuwendung annehmen können, ohne sie als Vereinnahmung zu empfinden. Wenn wir präsent sind, einfühlsam und aufmerksam anderen gegenüber. Wenn wir für andere da sind mit offenem Herzen und offenen Händen. Wenn unsere Gesten weder Belohnung noch Dank erwarten.

Wie auch Toleranz ist die Grundbasis an Großzügigkeit eher ungleich verteilt. Aber Gesten der Zuwendung kann man erlernen und trainieren, ganz einfach indem man sich einfühlt in andere und zumindest ab und zu den Willen zeigt, sich selbst hinten anzustellen. Es lohnt sich wirklich - schnell merkt man, dass ehrliche Hingabe das Leben erst lebenswert macht. Es ist ein befreiender Ausbruch aus dem Gefängnis der Einsamkeit, wenn wir erkennen, dass wir dort, wo unser Geben gebraucht wird, nicht weniger haben werden.

3. Toleranz + Großzügigkeit

Toleranz und Großzügigkeit in Kombination ergeben eine unglaublich wichtige Fähigkeit: Andere Menschen so zu lassen, wie sie sind. Die Bereitschaft, anderen ihre Fremdheit zu lassen, sie nicht beherrschen zu wollen oder zu bevormunden. Dazu braucht es nicht nur Toleranz und Großzügigkeit, sondern auch Offenheit, innere Weite und Versöhnlichkeit. Gerade in engen Beziehungen fällt das manchmal sehr schwer, da der Alltag den Glücksrausch irgendwann auf ein Minimum reduziert. Da gibt es nicht erwiderte Sehnsüchte nach absoluter Geborgenheit, Panik oder Angst vor Selbstaufgabe, die Desillusionierung von Idealbildern ... und letztendlich auch fast immer irgendwie den Wunsch, den anderen doch noch ändern oder nacherziehen zu können. Das kann nur zu Leid führen, denn der andere wird immer fremd und andersartig bleiben.

Ab in die Tonne also mit Erziehungswünschen, Erfolgserwartungen und Besserwisserei - die den anderen so oder so nicht erreichen. Schöne Begegnungen, echte Freundschaften oder gar Liebe sind doch viel zu kostbar, um sie leichtfertig aufs Spiel zu setzen, nur weil der andere sich unseren Idealbildern nicht anpasst.



4. Verletzungen loslassen

Der sicherlich schwerste Teil ist allerdings, Abschied zu nehmen von alten Kränkungen, Verletzungen und Angriffen. Aber wenn wir das nicht loslassen ersticken wir auf Dauer an den negativen Gefühlen und werden täglich von ihnen niedergedrückt. Wir verpesten unsere Seele mit Groll und Nachtragen, statt dass wir unseren Wunden die Zeit geben, in Frieden zu heilen. Die Resultate: Scheidungen, Trennungen, tödliches Schweigen und Kontaktabbrüche.  Wir führen vor dem Schlafengehen imaginäre Dialoge mit Streitpartnern, lassen das Wiedersehen nach langer Zeit überschattet werden von unerledigten Konflikten und plötzlich werden alte, offene Rechnungen herausgekramt und zum Hauptgesprächsstoff.

Ein hilfreicher Tipp ist auch hier, den Blick aufs eigene Innere statt auf den anderen zu lenken. Nicht mehr zu fragen "Wie konnte er das tun?", sondern "Wie konnte diese Erfahrung so sehr bei mir andocken?" Einfach mal erforschen, wo der eigene Anteil ist. Durch diese Selbsterkundung wird man auch nicht länger das hilflos Opfer, das immer nur andere als Täter verurteilt. Dann erkennen wir, dass jeder "Täter" nicht nur Täter ist, genauso wie wir selbst nicht nur Opfer sind. Dadurch hören wir auf, andere unverhältnismässig lange zu verurteilen.

Das ist nicht gleichzusetzen mit Vergessen oder Verdrängen - oder plötzlich das Unrecht gutzuheißen. Es bedeutet sich selbst zu verstehen wie man ist, nicht wie man sein sollte. Diese Versöhnlichkeit mit sich selbst bringt auch automatisch Versöhnlichkeit mit anderen. Will man den Schatten von anderen gelassen gegenüber treten, muss man das erstmal mit den eigenen schaffen.



5. Wenn alles nichts hilft

Manchmal helfen alle guten Bemühungen nichts, und der letzte Ausweg ist, die Zelte abzubrechen. Dass es nicht leicht ist, sich von einem Partner zu verabschieden, wissen die meisten von uns. Richtig schwierig wird es aber dann, wenn man einfach nicht fähig dazu ist, obwohl die Beziehung schon lange nicht mehr tragfähig ist. Man hindert sich den und den anderen am Neuanfang, indem man sich nicht loslässt. Man trennt sich zwar vielleicht, aber verdrängt den Abschiedsschmerz. "Lass uns Freunde bleiben", "ich bin trotzdem immer für dich da", "wir haben uns im Guten getrennt". 

Das alles soll es uns leichter machen, ist aber paradoxerweise erst die Vorstufe von häufig kriegerischen Auseinandersetzungen und giftigen Wortgefechten, in denen man sich die Zähne zeigt und sich die Seele noch weiter zerfetzt. Der Traum vom versöhnlichen Ende ist ein trügerischer. Instinktiv wissen wir, dass es besser ist, Abschied zu nehmen und gesund zu werden, aber wir schaffen es oft nicht. Manchmal liegt es auch daran, dass man den Abschied nur da nehmen kann, wo der auf der anderen Seite gegeben wird. Wenn eine Seite sich querstellt funktioniert es nicht. 

Der einzige Weg ist hier den Menschen, den man verabschiedet, im Herzen als Freund zu behalten, und bereichert eine neue Richtung einzuschlagen. 

Auch zum Thema:

  • Loslassen - was hilft
  • Das Ego - eine Lüge




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Wie kann man gelassener werden?


Mal abgesehen von den wenigen wirklichen Tragödien, die das Leben zu bieten hat, sind es ja doch in erster Linie die Kleinigkeiten, die uns so wurmen. Verloren gegangenes Gepäck ... verlegter Schlüssel ... eine Versetzung ... nicht eingehaltene Versprechen ... In solchen Situationen passt am ehesten das bekannte Sprichtwort: "Gib mir die Kraft, das gelassen hinzunehmen, was ich nicht ändern kann, den Mut, das zu ändern was ich ändern kann, und die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden."

Früher habe ich solche Probleme versucht durch Spannungsabbau zu lösen. Den Kopf minutenlang unter eiskaltes Wasser gehalten ... Treppen rauf- und runterrennen etc., bis mir bewusst wurde warum das langfristig nicht funktioniert. Es kann ja gar nicht funktionieren, ohne dass ich meine Einstellung zu den Ereignissen ändere. In der Praxis heißt das, den Ist-Zustand nicht mehr mit dem zu vergleichen, was wir uns gewünscht hätten. Erst dann erlebt man, was gerade IST - egal wie wenig oder wie unerwartet.

Der nächste Schritt wäre dann, sich nicht mehr permanent als Opfer von Umständen zu empfinden. Egal was man sich selbst auch einredet, man hat immer die Wahl sich als Opfer zu sehen, oder das anzunehmen was einem gerade passiert. Ist es außerdem nicht schon Geschenk genug, dass wir wissen, dass selbst wenn etwas nicht in unsere vorgefertigten Pläne passt, eine Bedeutung in Form von Übung der eigenen Seelenstärke und Geduld hat? Das ist schonmal wahnsinnig viel.

Insbesondere der meiste "Kleinkram" erledigt sich meist eh von selbst. Ich muss da in meinem Fall z.B. an ganz häufige Konversationen im Bekanntenkreis mit einem notorischen Besserwisser und Rechthaber denken. Man kann nur der Unterlegene sein, weil es ihm von Vornherein nicht um einen Dialog ging. Manchmal nutze ich einfach den eleganten Ausweg und schmeiss ein total unpassendes Sprichwort in die Runde, Dadurch nimmt man ein wenig den Wind aus den Segeln und kann erstmal in Ruhe durchatmen, während der andere sich den Kopf zerbricht. Auch Lesen ist für mich so ein Entschleuniger.

Solche Notbremsen für Alltagssituationen sollte man generell viel mehr haben. Klar, manchmal muss man sich einfach aufregen. Und jeder hat ja auch sein Recht auf Lebensbereiche, in denen er gezielt chaotisch seine Emotionen ausleben darf. Kritisch wird es allerdings, sobald die Mitmenschen darunter leiden. Das ist dann mitnichten eine Befreiung, sondern einfach nur noch schlechtes Benehmen, das sich auch kaum rechtfertigen lässt. Es wird immer lästige Telefonate geben, Kinder, die nicht hören, unerwartete Mails, kaputte Autos, verpasste Züge, Menschen, die nicht antworten ... es ist immer was, deal with it.

Macht und Arbeitsmoral



Meist werden wir angetrieben vom Anspruch Macht auszuüben. Über unser eigenes Leben oder über das von anderen. Das merkt man an ganz banalen Alltagssituationen. Läuft z.B. in zwischenmenschlicher Hinsicht etwas nicht nach unserem Plan dann üben wir Druck aus. Wollen das letzte Wort haben. Der Überlegene sein. Aber wenn man einfach mal innehält in solchen Unterhaltungen, dann wird Recht haben gar nicht mehr so wichtig. Es bildet sich eine Haltung des aufmerksamen Passierenlassens.

Die Sucht nach Kontrolle beginnt bei vielen aber schon auf der Arbeit. Ich kenne so viele Menschen, die sich von ihrem Job so sehr in Beschlag nehmen lassen, dass ihnen kein Raum mehr für anderes bleibt. Alle sagen sie, sie würden so gerne aus diesem Hamsterrad ausbrechen, aber wissen nicht wie. Sie haben das Gefühl, sie werden gelebt, statt selbst zu leben.

Wenn man erstmal so routiniert in dieser besessenen, puritanischen Arbeitsethik (die Hand in Hand geht mit der sozial akzeptierten und geförderten Sucht nach Perfektionismus) ist, helfen nur noch Babysteps in die richtige Richtung. Mal Arbeit mit nach Hause nehmen, aber sie nicht erledigen zB. Oder am Wochenende einfach mal nicht die Mails checken und das Handy weglegen. Nach dem Abendessen nur noch mit der Familie kommunizieren etc.


Prioritäten klären

Zunächst muss man sich bewusst sein, dass jede Neuorientierung eine ehrliche Bestandsaufnahme erfordert. Jeder weiß wie schwer man sich von alten Mustern trennen kann, dazu braucht es Entscheidungsmut. Aber wenn wir zurückblicken und erkennen, dass unsere Geschichte zu jedem Zeitpunkt eine andere war, dann ist es eigentlich logisch, dass Prioritäten nicht in Stein gemeißelt sein dürfen.

Um den Blick in eine neue Richtung zu wenden muss man bereit sein, eine Weile gänzlich ohne Richtungsschilder zu leben. Aber das macht Angst, dadurch klammert man sich an Gewohntes. Gerade die im Hamsterrad verlieren irgendwann gänzlich den Kontakt zu ihren eigenen inneren Werten, weil sie den Kopf in den Sand stecken und nicht anhalten um umzuverteilen. Aber das gleichen wir einfach mit einem Gläschen mehr Wein am Abend aus. Einer Tasse mehr Kaffee. Und dem hektischen "Städtetrip-Kurzurlaub" nach dem wir noch frenetischer weiterrackern.


They told me I could be anything!


Jeder kennt das von sich selbst oder anderen. Diese Menschen, die im Geiste schon gekündigt haben, denen aber der Mut fehlt. Die seit Jahren versuchen abzunehmen und an einem unrealistischen Idealbild festhalten. Die erfolglose Projekte einfach nicht aufgeben können. Die krampfhaft an verkümmerten Beziehungen festhalten. Daraus entstehen nicht selten fruchtlose Diskussionen, die wir zwar schon als Energieverschwender erkannt haben, uns aber trotzdem immer wieder in sie verstricken. Wir halten an diesen selbstkreirtern Ambitionen mit einer Beharrlichkeit fest, die an kindliche Naivität bis hin zur Dummheit grenzt. Um sich von diesen zu lösen benötigt es eine gehörige Portion Transparenz gegenüber Selbstüberschätzung, Selbsttäuschung und der Erkenntnis, welches Maß an Verantwortung verkraftbar für uns ist.

Den meisten Selbstrespekt verlieren wir, wenn wir unangenehme Wahrheiten verdrängen, indem wir uns an sozialen Ködern orientieren. "Du kannst alles schaffen, du musst es nur wollen", "Mach weiter bis du nicht mehr kannst!", "Wenn du etwas willst dann musst du es auch haben!"

Ist das nicht traurig, wie wir uns um unsere eigene Art zu leben bringen, indem wir weiter an diesen fragwürdigen Zielen festhalten? Welche Verantwortung haben wir uns selbst gegenüber, uns von ihnen zu lösen? Ist es nicht ein Privileg, sich unspektakulären Zielen zuzuwenden, die dafür genau auf uns zugeschnitten sind?

Alles muss raus



Ein sehr großer Schritt auf dem Weg zu mehr persönlicher Freiheit war für mich das Ausmisten. Ich kann es anderen nicht oft genug aufs Auge drücken, aber ihr ahnt nicht wieviel Lebenskraft euch die Stapel von Briefen und Katalogen, die überquellenden Kleiderschränke und die Papierberge auf dem Schreibtisch rauben. Wusstet ihr, dass es sogar eine Relation zwischen Körpergewicht und vollgestopfter Wohnung gibt? Wer viel Gerümpel rumstehen hat der hat häufig Übergewicht. Scheinbar ist der Stoffwechsel irgendwie in der Lage, parallel zu unseren Gedanken auf den "Horten-Modus" umzuschalten. Oft verhält man sich sogar kontraproduktiv, häuft Briefberge an weil man meint man würde sie dann nicht vergessen. Dabei bedenken wir nicht, dass mit jeder weiteren Schicht wieder etwas vom Aufforderungseffekt verloren geht. Das alles wirkt demoralisierend, und dadurch neigen wir sogar dazu es zu vergessen. (Denn "man schafft es ja doch nie.")

Es ist einfach alles viel zu viel - Zeitungen, Werbung, Angebote, Medien, Veranstaltungen, Programme und und und. Zu wenig wesentliches. Seitdem ich es geschafft habe mich davon nicht mehr zuschütten zu lassen lebe ich ein einfacheres Leben, aber ich bin tatsächlich ein zufriedenerer Mensch. Richtig Überwindung kostet eigentlich nur der erste Schritt (z.B. keine Nachrichten mehr zu schauen oder Zeitung zu lesen, eine einzige Schublade entrümpeln ...). Für mich war das beispielsweise zum ersten Mal ein ordentliches Entrümpeln des Kleiderschranks inkl. Entsorgung bei der Altkleidersammlung (Nachrichten schau ich schon lang keine mehr). Alles was ich in 2 Jahren nicht getragen habe radikal raus. Die Kraft zum Weitermachen findet sich dann von ganz alleine wenn man Blut geleckt hat. Und plötzlich irgendwann - macht man sogar freiwillig mehr als man sich vorgenommen hat, und schafft Raum für andere Aktivitäten oder Klärung. Der Prozess muss also nicht zwangsweise von innen nach außen passieren.

Generell muss man sich wirklich bewusst machen, dass große Veränderungen nicht stattfinden wenn wir nicht begreifen, dass sie ausschließlich im Hier und Jetzt stattfinden. Nicht dann "wenn ich eine neue Wohnung habe", "wenn ich endlich 10 kg leichter bin", "wenn ich geheiratet habe", "wenn ich den Job bekomme" oder "wenn ich diese Summe Geld angespart habe".

Habt ihr schonmal drüber nachgedacht, dass die wahre Erfüllung im Leben vielleicht nicht darin besteht, wie gut wir unseren Plan A umsetzen können, sondern wie flexibel wir auf Plan B, C oder XY wechseln können? Das Hauptattribut also nicht Erfolg sondern vielmehr Flexibilität ist?





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Loslassen....

... schafft Freiheit und Raum für Veränderung. Und wenn es nur ein winzig kleiner Ausbruch aus einer Routine ist - man merkt wieder, dass man selbst die Wahl hat, wie man sein Leben gestaltet. Aber Veränderung macht auch immer Angst, weil das Neue ungewohnt ist, und man eigentlich lieber alles beim Alten lassen würde. Aber ahnen tun wir es irgendwie alle, dass es uns weiterbringt wenn wir die Kraft haben, etwas aufzugeben. "Loszulassen." Ich habe in den letzten Jahren vieles losgelassen - Menschen, schlechte Laune, Gewohnheiten, Schmerzen. Und ich verspreche euch - mit ausreichend Übung und Geduld wird es immer einfacher.

Lappalien


Dass uns Neues so aus der Bahn bringt liegt daran, dass heute immer alles "schnell" und am besten "sofort" passieren soll. Wir haben Geschwindigkeit zu einer Tugend erklärt. Ihr kennt das, einer dieser Tage. Festplatte abgestürzt. Zug verpasst. Kaffee leer. Einkaufszettel verlegt. Pizzeria Ruhetag. Das Leben wie es sein soll.

Da muss man sich doch fragen, weshalb diese Nichtigkeiten uns so beeindrucken? Wie kleine Gewitterwolken in der Stimmung verdichten sie sich irgendwann zu einem Unwetter und machen uns bewusst, wie begrenzt unser gezieltes Planen, Kontrollieren und Handeln ist. Wieviele Möglichkeiten die Realität hat, um uns aus dem Gleichgewicht zu bringen. Wieso können wir solche Dinge nicht einfach so nehmen wie sie sind? Und ist es uns möglich, wenn wir das Loslassen im so kleinen Rahmen üben, es auch bei größeren Dingen schaffen?

Wenn man aufhört zu kämpfen ist man frei. Im Aikido lernt man, dass das eigene Handeln umso wirkungsvoller ist, je weniger Widerstand man leistet. Gilt das auch für die Leiden des Alltags?

Ja, tut es! Ich habs ausprobiert. In dem Moment, wo man die Entscheidung fällt, keine unnötigen Energien mehr durch Widerstand zu verschwenden, kommt man erstaunlicherweise zur Ruhe. So unlogisch das klingt, aber indem wir dem Hindernis Raum geben befreien wir uns davon. Statt uns an etwas festzukrallen sehen wir das was gerade ist, und damit auch die Möglichkeiten, die wir zur Wahl haben.

Das hat nichts damit zu tun Probleme zu ignorieren oder ihnen nachzugeben. Es geht darum sie klar zu sehen, sie als vorübergehende Erscheinungen zu akzeptieren und sich zu zentrieren. Indem man sich ohne gedankliche Störenfriede auf den Moment konzentriert, wird man ganz automatisch effizienter, langsamer und genauer.

Diese Art von Gelassenheit ist allerdings nicht zu verwechseln mit  einer lebensfeindlichen Resignation, die keinen Protest und keine Rebellion mehr zulässt. Zu resignieren bedeutet jede Begeisterung im Keim zu ersticken, und nicht mehr offen für den Reichtum des Lebens zu sein. Loszulassen bedeutet zwar auf Abstand zu gehen, aber nicht gefühllos.  Man nimmt weder Opferrolle noch Siegerpose ein. Loslassen bedeutet nicht, immer wieder jemanden zu suchen der einem Recht gibt oder immer wieder neue Lösungen für alte Probleme zu suchen.

Menschen


Auch wenn wir von anderen fordern, sie sollten loslassen, müssen wir bedenken, dass Loslassen seine ganz eigene Würde hat und niemals Mittel zum Zweck sein darf, mit dessen Hilfe Konflikte übertüncht und vergessen werden sollen. Wenn wir das also von jemandem fordern müssen wir zuerst erkennen dass auch dieser jemand genauso wie wir unvermeidlich leidet. Für manche ist das selbstverständlich, für andere bedarf es erst einiger wachrüttelnder Erfahrungen um das zu erkennen. Die Erkenntnis zum Loslassen lässt sich nicht erzwingen, und schon gar nicht durch "gut zureden" oder "sich zusammenreissen".

Loslassen bedeutet also, den Ballast der Vergangenheit zurückzulassen, Sachen geschlossen zu Ende zu bringen, nicht mehr an Meinungen oder Vorstellungen festzuhalten, die unseren inneren Frieden vergiften und uns die letzten Reserven kosten. Wir wollen immer alles kontrollieren statt es sein zu lassen was es ist, was lediglich ein Beweis für unsere Verhärtung, unsere Angst und unsägliches Misstrauen ist.

Problematische Ereignisse 


Aber so richtig verstehen was Loslassen bedeutet kann man vielleicht erst, wenn man an der Grenze dessen ist, was man aushalten oder ertragen kann. Grenzerfahrungen, Schicksalsschläge, Erschütterungen ... in solchen Momenten kann Loslassen wie ein Wunder sein.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man Loslassen üben muss. Wie ein Muskel, der erschlafft wenn er nicht trainiert wird. Es erfordert Selbstdisziplin und Erkenntnis. Man muss JA sagen zu dem Leben was ist, und nicht seiner eigenen Vorstellung davon. Aber ja, man kann sich das bewusst aneignen. Man darf sich nicht versteifen, sondern muss auch bereit sein von etwas abzulassen, wenn einen das Leben in eine andere Richtung als geplant führen will.

Das Ding ist ja ... die normale Reaktion des Menschen auf ein Problem ist dagegen anzukämpfen. Sind die Bemühungen erfolglos legen wir noch ne Schippe drauf und strengen uns noch mehr an. Kämpfen und suchen krampfhaft nach Lösungen.Aber zweimal so viel ist halt nicht doppelt so gut. So oft ist es besser "mit dem Problem zu gehen" statt sich dagegen zu wehren, wie beim Autofahren wenn man die Räder auf Schleuderkurs bringt statt dagegen zu lenken. Statt "fight and flight" lieber einen Schritt zur Seite tun.

Idealbilder 


Wir muten uns viel zu viel zu. Wir sind an dem Punkt, an dem wir lieber scheitern als zuzugeben, dass die Lasten, die wir uns aufgeladen haben, zu schwer waren. Statt 3 Kilo abnehmen müssen es 20 sein. Statt sanftes Stillen des Bewegungsbedürfnisses das tägliche, lieblose Training auf Foltergeräten. Da gibt es plötzlich keine Schokolade mehr, keinen Kaffee. Man will idealer sein, als man ist, und findet sich im nächsten Teufelskreis der Selbstkontrolle und des Versagens. So gibt es zwar immer mehr Fitnesszentren und Gastronomiebetriebe. Aber wo sind die Kinder die gern im Wald spazierengehen? Die gern einfache und gesunde Sachen essen? Die Bewegung nicht erzwingen sondern erleben?

Der Grund dafür ist die uns eingetrichterte Annahme, bei richtigem Einsatz und Willensstärke könnten wir praktisch jedes beliebige Selbstbild und jedes gewünschte Perfektionsideal erreichen. Eine kollektive Überheblichkeit hat sich eingeschlichen.

Diese wird man nur dann los, wenn man weiss was man selbst will. Klingt einfach, ist aber alles andere als das. Oft meinen wir wir müssten wollen, was wir wollen SOLLEN. Wenn wir uns dessen bewusst werden müssen wir uns auch eingestehen, dass jeder von uns so gut handelt, wie es ihm tatsächlich und unter Berücksichtigung seiner Umstände möglich ist. Man kann viel mehr erreichen, wenn man sich von diesen hoch gesteckten Idealen löst und sich stattdessen mit der Wirklichkeit des Lebens anfreundet. Natürlich lösen sich Probleme so nicht in Luft auf, aber wir werden allem zum Trotz zufriedener und toleranter mit uns selbst.

Schlechte Laune und Unzufriedenheit


Überlegt mal selbst, jeder hat das schon erlebt. Auf lange Sicht ist es erfolgreicher, wenn man etwas einfaches tut, etwas das man gerne macht, als etwas dass jemand anders vorgeschlagen hat. Das ist schonmal ein erster Schritt. Der nächste besteht darin zu beobachten, wie wir mit schlechter Laune umgehen. Wir schenken ihr so unglaublich viel Beachtung, schützen und verteidigen sie um jeden Preis. Dabei werden wir taub und blind gegenüber der Fülle des Lebens und der Wirklichkeit. Wir vergiften unser Herz und entstellen uns durch unsere eigene Befangenheit.

Prinzipiell haben wir bei schlechter Laune 3 Möglichkeiten zum Loslassen:

1. Annehmen was IST  (keinen Widerstand leisten, nicht versuchen gegen sie anzukämpfen)
2. Tempo hochfahren (Aktiv den Entschluss fassen sie loszulassen, z.B. aufstehen, bewusst und tief atmen, einmal um den Block laufen)
3. Tempo runterfahren (innehalten, umschalten, z.B. jemanden anrufen, sich aussprechen, sich einen besonderen Tee machen, spazieren gehen, Projekte auf den nächsten Tag verschieben wenn man konzentrierter ist etc.)

Manchmal reicht es schon sich einfach hinzusetzen und im Geiste das Wörtchen "Genug." zu wiederholen. Wenn wir uns daran erinnern, dass es genügt was wir im Moment sind, haben oder wissen, speisen wir ein Gefühl der Zufriedenheit und erklären uns einverstanden mit dem Leben wie es ist. Dazu gehört auch Abschied zu nehmen von überhöhten Phantasien und großen Ansprüchen, weil man Situationen dann anders bewertet. Wenn man sich eingesteht, dass die Dinge auch nicht besser wären wenn man dies und jenes noch besitzen oder erreichen würde, oder wenn man woanders wäre als man es gerade ist - dann hat man losgelassen.

Unser Problem ist, dass wir uns selbst und die Welt immer durch einen Filter sehen. Einen Filter an Vorstellungen, Wünschen, Idealen und Erwartungen. Dadurch beschwören wir Verurteilungen, Entwertungen und Ängste herauf. Erst wenn man diesen Filter ablegt verliert man plötzlich das Bedürfnis nach permanenter Auseinandersetzung und Konfrontation. Der Zwang zum Siegen lässt nach, man wird frei. Man kann vorbehaltlos das annehmen, was das Leben gerade freiwillig anbietet, versucht nicht mehr krampfhaft bestimmte Ereignisse herbeizuführen, und wird demnach auch weniger oft enttäuscht. Ist ja auch logisch - man müsste ja gar nicht erst unzufrieden sein mit dem was man hat, hätte man sich nicht von vornherein schon darauf fixiert was man sucht.

Gewohnheiten


Eine Sache für sich ist auch das Loslassen von destruktiven Gewohnheiten. Meistens wissen wir ja ganz genau was wir sein lassen sollten. Jeder kennt diese innere Stimme die einem ins Ohr flüstert "Tus nicht."  Ein Bier zuviel ... die nächste Zigarette ... Naschen aus Langeweile ... Ich habe gerade die Erkenntnis dass man mit steigender Lebenserfahrung scheinbar immer weniger ignorieren kann, was einem gut tut und was einem schadet. Aber dennoch halten wir stetig an Mustern fest, machen immer wieder dieselben Fehler weil wir die Stimme nicht hören wollen. Da muss man schon ernsthaft die Freiheit des Menschen infrage stellen wenn man bedenkt wie oft wir vor unseren Schwächen kapitulieren und wie selten wir wirklich im eigenen Interesse handeln.

Ein bisschen braucht man das ja - so ein Gewohnheitstier zu sein. Das Leben wäre viel zu mühsam wenn man immer alles neu entscheide müsste. Gefährlich wird es aber dann, wenn diese Erfahrungen uns beherrschen. Bei mir hat es sich bewährt, mich immer zunächst zu fragen, weshalb ich die Gewohnheit loslassen will. Welche Qualitäten gewinne ich dadurch? Also mehr Zeit, Gesundheit, besseres Körpergefühl etc. etc.? Dieses ewige krampfhafte Bewerten und Analysieren der Gewohnheit selbst bringt nur sehr selten was. Stattdessen müssen wir unser eigenes Wesen unter diesen Schichten von Gewohnheiten aufspüren. Dadurch erhält das, was uns gut tut, neue Qualität und wird nicht mehr als Verzicht oder Entsagung empfunden.

Schmerzen

Man kann es tatsächlich trainieren, die Entscheidung Schmerzen anzunehmen. Es braucht Geduld und Selbstvertrauen, aber irgendwann kann man seinem Schmerz freundlich gegenübertreten. Man darf ihn nicht mehr loswerden wollen, sondern muss sich ihm öffnen. Wer den Schmerz als Gegner sieht der hört nicht mehr hin, und kann auch keine Botschaften mehr empfangen. Viele innere Kämpfe entstehen nur dadurch, dass wir durch Widerstand das abwehren wollen, was sich in unserem Leben zuträgt oder getragen hat. Wenn wir aufhören, Bedingungen zu stellen, machen wir uns offen für Dankbarkeit. Das kann man immer und überall üben. Dabei spürt man direkt wie sich der ganze Körper entspannt. Der Herzschlag, die Muskeln, das Energiepotential verwandeln sich. 

Wenn man das nicht hinbekommt gibt es immer noch eine andere Lösung. Nämlich dem Schmerz einfach zu sagen "Ich verstehe dich nicht." Nur diesen Satz. Keine Frage daraus machen, keine Wertung und kein Urteil sprechen. Immer wieder gedanklich sagen "Ich verstehe dich nicht." Denn wenn man etwas nicht versteht, hat man gar keine andere Wahl mehr als anzunehmen was ist und den Weg zur Versöhnlichkeit zu ebnen. Wenn man sich ewig dieselben Fragen zum Warum und Weshalb stellt wird sich nichts ändern, ausser dass das Denken immer enger wird.  

Verluste


Keinem bleiben unangenehme Überraschungen erspart. Und auch wenn wir nicht darauf vorbereitet sind, können wir uns aus der Opferrolle befreien und uns eingestehen, dass auch die schwierigsten Situationen bis zu einem gewissen Grad entschärfbar sind. Solange wir atmen können wir Verlusten nicht entkommen. Wenn es dann soweit ist, können wir es immer nicht fassen, dass unsere Welt kurz zuvor noch ganz anders war. Wir versuchen verzweifelt die Zeiger der Zeit zurückzudrehen, etwas ungeschehen zu machen, obwohl wir bereits wissen, dass es aussichtslos ist.

Der Schlüssel hierbei war für mich, mich von den tief verwurzelten Wünschen und Erwartungen nach Gerechtigkeit zu befreien, und nicht mehr länger auf das Verlangen meines Egos zu hören. Und wenn mein Tag noch so frustrierend und verlustreich war, wenn mir mein Leben nicht mehr lebenswert erscheint, und ich absolut nicht mehr in der Lage bin, die Kostbarkeiten zu sehen - dann bleibt mir immer noch eines: Den Tag einem anderen Menschen zu schenken, der ihn gebrauchen könnte.


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Das Herz ... wir berufen uns immer wieder auf das Herz. "Tief im Herzen weiß ich" .... "von Herzen!" ... "da lacht das Herz" ... "es zerbricht mir das Herz" ... was meinen wir damit?

Irgendwie leben wir in einem System, in dem wir uns einbilden, dass Gefühle, Empfindungen und Phantasien von Herzen kommen. Aber unser "Herz" ist nur eins: eine Pumpe. Alles was wir fühlen, empfinden und denken ist auf unseren Kopf beschränkt. Auf Hunderte von Zentren, die alles steuern.

Das muss man sich erstmal bewusst machen! Emotionen sind im Kopf. Bewusstsein hingehen nicht, im Gegenteil, unser Kopf ist vielmehr im Bewusstsein. Im riesengroßen, unendlichen Sein. Während Emotionen, Ansprüche, Wünsche im Kopf stattfinden. Irgendwann werden sie austrocknen, und unser Kopf wird für immer von der Erde verschwinden. Nicht so unser Sein, denn dieses ist nicht in uns enthalten, sondern wir in ihm. Es ist unendlich größer als wir.

Unsere Gefühle, Gedanken und Emotionen kommen von außen. Diese ganzen Dinge, mit denen unser Kopf zugestopft ist, werden von außen manipuliert. Sie haben nichts mit uns zu tun. Unsere einzige Sünde ist die, dass wir uns damit identifizieren.

Vielleicht ist dieses ganze Theater ums Herz aber auch nur erfunden worden, weil man eine Erklärung für die Liebe gesucht hat, weil sie uns so nervös macht. Unsere über Jahre erworbenen Fähigkeiten liegen im bewussten Bereich unserer Wahrnehmung, die Liebe hingehen kommt aus dem Unbewussten, und deshalb wissen wir nicht, was mir mit ihr tun, und wie wir mit ihr umgehen sollen. Sie überwältigt uns, deshalb haben wir Angst vor Emotionen.

Nur im Kopf leiden wir und sind unglücklich. Wir haben alle möglichen Sehnsüchte, Wünsche, Vorstellungen - lauter Projektionen. Unser wahres Selbst aber ist dahinter. Wir verwechseln Sentimentalität gerne mit Spiritualität. Aber Emotionen sind genauso mentale Prozesse wie Gedanken. Egal wie emotional wir werden, wieviele Tränen wir vergießen, spirituell wird es dadurch trotzdem nicht. Auch Tränen sind körperlich, eine Aufruhr unserer physischen Energien. Wo ist also dieses Herz, auf das sich alle berufen?

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Dreadlock Stylistin. 7 Katzen. 2 Hunde. 3500 qm Garten.

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