Samstag, 24. Januar 2009

Der Wert eines Menschen


Eine Freundin einer Freundin sagte kürzlich zu meiner Freundin bezüglich ihre festen Freundes:

"Was willst du denn mit dem? Du könntest doch bessere haben!"

Als ich diese Statement hörte bin ich innerlich explodiert.
Erstens: Was bitte ist "Besser"?

Zweitens: Wie stellt besagte Person sich das wohl vor? Wie handhabt sie selbst ihre Männerauswahl? Womöglich macht sie Strichlisten, fungiert als Punkterichter. Stellt Tabellen auf mit dem Jahresverdienst, vergibt Noten nach dem Aussehen und dem sozialen Status, vergleicht das alles und nimmt den, der nach ihrem System am besten abschneidet. Ist das nicht ein bisschen kompliziert?
Drittens: Wer darf sich das Recht herausnehmen, den Wert eines Menschen über den eines anderen zu setzen? Keiner ist besser oder schlechter als ein anderer. Jeder, der hier ist, hat seine Berechtigung hier zu sein, daher sind unsere "Werte" alle auf der gleichen Ebene anzusiedeln. Der Sexualmörder von Kardelen ist genauso viel wert wie ich, die ich hier rumblogge. Klingt hart, entspricht aber der Wahrheit. Wie viel Wert unsere Taten haben ist eine ganz andere Sache, aber menschlich gesehen sind wir in dieser Hinsicht alle gleich.
Wenn überhaupt hätte besagte Person von oben sagen dürfen :"Du bekommst von ihm nicht das zurück, was du ihm gibst!" Doch selbst hier kann sie sich eigentlich nicht anmassen, das zu beurteilen, weil das nur meine Freundin selbst wissen kann. Und überhaupt würde das lediglich beweisen, wie sehr sie ihn liebt, was wiederum für die beiden spräche.

Es ist immer wieder schade feststellen zu müssen, nach welchen Kriterien hier Menschen be- und verurteilt werden. Spielen Gefühle denn in unserer Welt überhaupt noch eine Rolle? Richtet sich überhaupt irgendwer noch nach Werten wie Sympathie, Zuneigung oder gar Liebe? Wirklich arm, wie sehr die gesellschaftlichen Vorgaben uns alle kontrollieren und in der Hand haben. Eigentlich müssten wir uns vor uns selbst schämen, dass wir Dinge tun oder unterlassen weil "man es eben so macht" oder weil "jeder es eben so macht".

Warum ist es nicht erlaubt, jemanden zu lieben, den man liebt, wenn dieser sich nicht nahtlos in die Strukturen der Gesellschaft einfügt?

Kommentare:

  1. Ich find aber das Statement von dir sehr richtig: man muss einfach das zurück geben, was man vom Partner bekommt.

    Wenn man seinen Partner allerdings hat, weil man nicht einsam sein möchte, macht man was falsch. Da verdient man dann schon einen besseren. Einen, der einem das Gefühl gibt, keinen besseren zu brauchen : )

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  2. Und wonach soll man das messen, was jemand "einem gibt"? Woher weiss ich dann wer von beiden mehr gibt? Und können überhaupt beide genau das gleiche geben? Das würde eine Maßeinheit vorraussetzen.

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  3. ich muss immer wieder staunen, wie andere immer besser wissen, was für uns gut ist ;)

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  4. Wie wahr , wie wahr...
    Die Regel gibt niemand als Person vor. Der Stempel wurde von der Gesellschaft gemacht...sie nimmt sich das Recht über Normen und Taten zu bestimmen und Werte sowie Grenzen festlegen zu dürfen...

    Die Aktzeptanz und die Toleranz gegenüber dem "abnormen" ist gleich null...

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