Freitag, 26. Dezember 2008

Normalität


Normalität

"Ich hatte gar nicht vor, ihm etwas anzutun. Ich fand, dass er ein sehr netter und gebildeter Mann war. Das fand ich bis zu dem Moment, in dem ich ihm die Kehle durchschnitt."



Diese Worte gab Perry Smith zum Besten, nachdem er bei einer brutalen Ermordnung eines Farmers mitgewirkt hatte. Dies ist das beste Beispiel, das ich finden konnte, welches so sehr verdeutlicht, wie sehr der Geist und die Gedanken eines Menschen gestört sein können. Am besten merkt man das an dem Widerspruch zwischen seinen sanften Gefühlen einerseits, andereseits aber der unglaublichen Mordlust, die Perry empfunden haben muss. (Gegenüber einem völlig fremden Menschen!) Es liegt weit außerhalb unseres Vorstellungsvermögens, was sich in solch einem Moment im Kopf des Mörders abspielt.

Was ist nun, wenn hier jemand mit seiner Argumentation kommt, der Mensch sei einfach krank? Extrem psychotisch oder was auch immer. Klar liegt dieser Gedanke hier nahe, aber bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass es nicht der psychiatrische Patient ist, der krank ist, sondern die Gesellschaft. Die meisten der sogenannten psychischen Störungen sind keine Krankheiten, die man heilen muss, sondern vernünftige Antworten auf eine verrückte Welt. Dies mag den Eindruck erwecken, dass ich es für vernünftig halte, einen Menschen zu töten, und für unvernünftig dies zu unterlassen. Aber das ist hier nicht gemeint. Das bizarre Verhalten unseres Mörders ist eigentlich nur ein Rollenspiel. An der Zwiespältigkeit seiner Gedanken merkt man, dass er dies nicht ganz zu verbergen weiß. Er setzt einfach die Maske des "Irreseins" auf, nimmt eine falsche Identität an, um eine Barrikade gegen den Rest der kranken Gesellschaft aufzubauen.

Man kann dieser ganzen Abhandlung auch einen Strich durch die Rechnung machen, wenn man der Bedeutung eines einzigen Wortes eine andere Definition beimisst. Das charakteristische und überaus wichtige Wort, um das man bei solchen Überlegungen nicht herumkommt, ist "normal". Denn Normalität ist eher eine subjektive Meinung denn objektive Bewertung und absolute Tatsache.

Eine Definition basiert darauf, wie das entsprechende Individuum seinen eigenen Glücklichkeitsgrad einschätzt, quasi das Fehlen von Ängsten oder Ähnlichem. Doch hierbei sollte man sich überlegen, ob man es in einer Welt, die von Umweltverschmutzung, Kriegen und Korruption beherrrscht wird, als normal einstufen kann, ein ausnahmsloses Glücksgefühl ohne jede Angst zu hegen. Man könnte sogar so weit gehen zu behaupten, das Glück sei das eigentlich Abnormale. Abgesehen davon gibt es ja auch Menschen, die glücklich sind, trotzdem aber etwas verborgenes, nicht entdecktes, haben, das sie in einen Abgrund stürzen lässt. Analog dazu ist ein Mensch mit nicht diagnostizierter AIDS-Erkrankung vielleicht glücklich, obwohl er sich keiner normalen Gesundheit erfreut. Hier hätten wir schon den Widerspruch, der es problematisch macht, Glück mit Normalität gleichzusetzen.

Die Grundlage einer weiteren Definition ist die der wissenschaftlichen Beurteilung, wobei man die individuelle Wahrnehmung nachprüfbarer Dinge mit objektiven Realitäten vergleicht. Diese Definition ist wenig kritikanfällig und anfechtbar, da sie besagt, dass Dinge als abnorm gelten, wenn sie die bewiesene Realität nicht widerspiegeln. Das einzige Problem hierbei ist vielleicht, dass es nicht immer ganz einfach ist, die objektive Realität herauszufinden. So wird ein Mensch mit Paranoia oft vorschnell als krank und abnorm eingestuft, obwohl vielleicht die objektive Wahrheit einer realen Verfolgung besteht.

Die sicherlich problematischste Definition ist aber die, welche sich auf die synonyme These der "sozialen Deviation" stützt, wobei das Verhalten eines Individuums mit der Mehrheit anderer Individuen verglichen wird. Also ist jemand normal, der statistisch gesehen, der Mehrheit der Menschen am ähnlichsten ist. Wie schon gesagt ist das eher problematisch zu beurteilen, denn schliesslich ist Karies ja auch nicht normal, nur weil die meisten von uns davon betroffen sind. Trotz allem finden es die meisten am logischsten, Normalität mit der Konformität von herkömmlichem Verhalten gleichzusetzen. Doch man sollte hierbei beachten, dass es im Laufe der Jahre nie ausbleibt, dass sich unsere Werte grundlegend verändern. So gilt eine Nonkonformität in der einen Zeit als abnorm, während es einige Jahre später zur Regel wird und gesellschaftlich annerkannt ist.

Wenn man sich nun abschliessend die zahlreichen Mängel ansieht, die jede dieser Definitionen mit sich bringt, wird schnell klar, dass man nie zu einer einheitlichen Definition des "Normalen" kommen kann. Deshalb sollten sich einige Menschen besser zwei mal überlegen, wen sie als abnorm beschimpfen, weil die Mehrheit(wobei wir wieder bei sozialer Deviation wären) vielleicht sie selbst für abnorm hält.

Sollte jemand die eindeutige Definition gefunden haben, möge er mir dies in einem Kommentar mitteilen. (Aus Wikipedia kopieren gilt nicht.)




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