Donnerstag, 9. April 2009

Sinn und Unsinn von Okkultismus - 5. Bachblüten

Ich habe beschlossen mich wieder intensiver mit dieser Serie auseinanderzusetzen, da sie ja doch regen Anklang fand. Heute geht es um Bachblüten, hinter denen man auf den ersten Blick nicht wirklich etwas okkultes und unsinniges vermutet. Da gibt es doch so viele renomierte Mediziner und Heiler, die das anwenden, alles durch Studien verstärkt ...

Zunächst ein Überblick, worum es sich handelt: Es geht um genau 38 Blütenessenzen, die gegen "negative Schwingungen" helfen sollen, wie bspw. Unsicherheit, Kritiksucht, Mutlosigkeit etc. An Volkshochschulen sind Blütenkurse heute fast immer fester Bestandteil der Erwachsenenbildung, man findet darüber etliche Bücher und Kurse, die eine Menge Zeit und Geld kosten. Im Ganzen erinnert diese Theorie stark an Homöopathie (was beides nichts mit Naturheilkunde zu tun hat!).

Das ganze Geheimnis besteht allerdings lediglich aus hunderten Litern Wassern, in denen ein paar Blüten eingelegt werden, dem danach noch ein wenig Alkohol hinzugefügt wird - das war es. Diese Essenzen sollen dann entweder eingenommen werden (vier Tropfen auf ein Glas Wasser), oder dem Bad hinzugefügt werden (5 Tropfen auf eine Wanne). Oder man stellt sie sich einfach nachts neben das Bett, trägt sie mit sich herum, schmiert sich damit ein, schüttet sie ins Klo ...


Dass die Sache ganz offensichtlich nicht mehr ist als eine betrügerische Mischung aus Quaksalberei und Geschäftemacherei sehen wie wenigsten ein. Die Blütenessenzen sind vergleichbar mit homöopathischen Mitteln in Hochpotenz. Nachweislich befinden sich außer dem Alkohol in den Mischungen keinerlei Wirkstoffe. Labortests belegen außerdem, dass es keinerlei Unterschied zwischen den einzelnen Präparaten gibt.

Sogar der Erfinder, Bach, der dem Humbug seinen Namen verpasst hat, konnte außer seiner Intuition keine wirkliche Erklärung für den Zusammenhang zwischen bestimmten Blüten und angeblich damit korrespondierenden Erkrankungen liefern.
Gefährlich wird das ganze glücklicherweise erst dann, wenn im Vertrauen auf die Wirksamkeit erforderliche Therapien und Behandlungen versäumt werden. Vor allergischen Reaktionen aufgrund der Blütenessenzen braucht sich keiner zu fürchten. Diese sind in solch hoher Potenz enthalten, dass der Körper sie nahezu gar nicht registriert. Die Dosis wäre also viel zu klein, um eine Reaktion im Körper auszulösen. Sonst jedoch ist den Bachblüten lediglich ein durch gläubige Erwartungshaltung hervorgerufener Placeboeffekt zuzuschreiben.

Das Seltsame ist ja, dass genau die Postulate als Beweise und Bestärkungen der Theorie von Anhängern genannt werden, die wir als "rational Denkende" als so unsinnig empfinden. Beispielsweise das Potenzieren durch Verdünnen. Je weniger Wirkstoff ich reinmische, desto wirksamer wird das Produkt - so die Bachblütler. Oder die Ähnlichkeitsregel - auch Simileprinzip genannt. Eine Krankheit muss mit Mitteln bekämpft werden, die bei gesunden Menschen genau die Symtpome dieser Krankheit auslösen. Der Erfinder der Theorie belegte das anhand eines Beispiels, in welchem dies tatsächlich zutraf. Er schloss daraus auf eine allgemein gültige Regel und wandte es seitdem auf sämtliche Medikamente und Wirkstoffe an. Obwohl in einigen Fällen die Natur dieser Regel zu folgen scheint, ist es bisher nicht gelungen, seine Anwendbarkeit in der angenommenen Allgemeinheit nachzuweisen. Häufig wird dann ein Vergleich zu Impfungen gezogen und dies als Beweis genommen. Dabei wird allerdings nicht bedacht, dass Impfungen nicht zur Bekämpfung von Krankheiten gedacht sind, sondern zur Immunisierung gegen selbige, also eher prophylaktisch. Und schon hinkt auch dieser "Beweis" auf beiden Beinen gleichzeitig ...

Fazit: Das ganze Wirkprinzip liegt in der Täuschung der Patienten, die noch durch Selbsttäuschung des Behandlers verstärkt wird. Allein schon durch die ausführliche, persönliche Anamnese erfährt der Patient dort Zuwendung, die er bei "normaler" Behandlung nicht in dieser Form erfahren würde. Diese Tatsache allein kann schon enorme Heilkräfte freisetzen. Ansonsten geht von dieser Praktik weder größere Gefahr noch Wirksamkeit aus. Außer der verschwendeten Zeit und dem leeren Geldbeutel ...

1 Kommentar:

  1. viel schwachsinn passiert.
    andere behandeln ihre akne mit urin oder hoeren privat blackbeats.
    bachblueten kannt ich noch nicht.
    aber in einer streckenweise recht hoffnungslosen welt ,mit geld als wurzel des uebels,kann placebo und pleite nich so schlecht sein.denk ich.
    ohne den placebo effekt wuerde gott wohl den wenigstens gläubigen helfen.
    wobei der nichts kostet.
    ausser man will es so.

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