Mittwoch, 18. August 2010

Das Märchen vom Sommermärchen

Liebe Medien ... ich kann ja verstehen, wie schwer es während des Sommerlochs ist, eure Seiten mit Inhalt zu füllen. Aber das permanente Gequatsche vom Ende der Krise und dem "stärksten Anstieg des Wirtschsftswachstums" ruft in mir nicht nur gähnende Langeweile, sondern auch haltlose Aggressionen hervor. Aggressionen gegen die Medien, die diese Märchen vom Sommermärchen verkaufen und gegen die Menschen, die das glauben.

Das Ende der Krise - so lautet das Mantra der Mainstreammedien. Alles wird gut, alles ist vorbei! Klar, solange es auf die nächsten Wahlen zugeht, ist immer alles gut. Auch wenn die Deutschlandkarre gerade dabei ist, an die Wand zu fahren, wird den Fahrgästen von der gemütlichen Reise durch ferne Länder vorgeschwärmt. Dummerweise glauben die das auch noch vorbehaltlos und sehen in der harten Steinmauer vor sich die Ziegel des Gleises 9 3/4, durch die es direkt in die Märchenwelt geht. Gute Arbeit Herr Brüderle & Consorten.

Eine Frage, die sich aufdrängt, ist doch folgende:

Wenn jemand wirklich Ahnung von Auf- und Abschwung hat, dann die Damen und Herren der Finanzmärkte. Nun scheinen wir laut Politikern doch so unglaublich gute Konjunkturnachrichten zu haben ... dann müssten die Kurse doch boomen? Nein - die reagieren nämlich mit Rückgang und Zurückhaltung. Passt das zusammen? Wie viel ist einem Wirtschaftsaufschwung zuzutrauen, dem nicht einmal Investoren ihr Vertrauen in seine Nachhaltigkeit schenken?

Eine weitere auftauchende Frage:

Wie entsteht eigentlich Wirtschaftswachstum? Klar - durch Nachfrage. Wo ist diese Nachfrage? Beim Staat? Wohl kaum, der hat sich ja selbst durch Sparprogramm und Schuldenbremse eine Ausgabesaskese auferlegt. Bei den Privathaushalten? Eher nicht, auch hier muss jeder sparen, gut bezahlte Arbeitsplätze sind schließlich Raritäten geworden. Bei den Unternehmen vielleicht? Unwahrscheinlich in diesem Ausmaß, weil auch die nur dann investieren, wenn gute Absatzmöglichkeiten in Aussicht sind. Und Nachfrage aus dem Ausland? Naja, hauptsächlich aus China und den USA, wobei auch die Wirtschaft dieser beiden Länder schwächelt und das Gesamtkonstrukt noch zerbrechlicher werden lässt.

Und nun mal Klartext - wie hoch ist unser Wirtschaftswachstum wirklich? Ganz groß in den Schlagzeilen ist ja heuer die höchste Steigerung des Bruttoinlandproduktes (BIP) seit der Wiedervereinigung. Im zweiten Quartal dieses Jahres stieg es im Vergleich zum Vorjahr tatsächlich um 2,2 %. Im ersten Quartal lag diese Zahl bei 1,7 %, somit haben wir dieses Jahr bis jetzt gerade mal ein Wirtschaftswachstum von 1,95 %. Ein "Wirtschaftswunder"? [Nur zum Vergleich - eine Wachstumsrate von 1,5 % würde lediglich ausreichen, um keine neuen Schulden machen müssen, mehr nicht!]

Eher nicht, besonders wenn man weiter beachtet, dass das BIP 2009 um ganze 4,9 % gesunken war! Das bedeutet: Wir haben gerade mal 40 % von dem wieder gutgemacht, was wir vergangenes Jahr verloren haben. Und diese minus 60 % werden uns nun als "Aufschwung" und "Sommermärchen" verkauft.

Und wenn wir jetzt noch die Kriterien des EU-Stabilitätspaktes erreichen wollen, bräuchten wir ein Wirtschaftswachstum von 4,2 %.

Mal ehrlich ... ist das realistisch?

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